Ich weiß gar nicht mehr, was mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat. Irgendwo im Internet hatte ich etwas gelesen, nein keine Rezension, die regen mich meist nicht zu dem Kauf eines Buches an, vielleicht war es nur der Titel. Ich bin ja selbst Autor. Interessante Buchtitel sind meist gereifte Früchte, haben andere, mögliche Titel des Projektes zwischenzeitlich ersetzt, bleiben übrig und haben sich irgendwann im Kopf festgesetzt. Das Buch, das Projekt, das manifestierte Konzept von dem Etwas, dass die Autorin zu sagen hat, heißt in diesem Fall “Erdbeerflecken”. Die Autorin heißt Mia Bernstein. Ich könnte wetten, das ist ein Künstlername. Würde passen.
Von Peter Killert
Ganz ehrlich: Frauen können nicht schreiben. Frauen sind ja immer das Objekt der Betrachtung, haben immer noch – da kann noch so viel Emanzipation nichts daran ändern – den Nimbus der ästhetischen Verkörperung. Wie könnten sie also auch das Subjekt des Beschreibenden sein, wenn wir mal davon ausgehen, das jede Kunst die Ästhetik zum Gegenstand hat? Das funktioniert nicht. Hat noch nie funktioniert. Nicht wirklich. Ich kenne außer den berühmten Ausnahmen, die die Regel bestätigen, keine wirkliche Vertreterin der Weltliteratur.
Frau Bernstein hat aber sicher nicht den Anspruch, Weltliteratur zu produzieren. Ihr Stilmittel nennt die Autorin Gedankenscrabble. Das passt sehr gut. Beim Scrabble muss das neue Element nicht unbedingt in einen semantischen Kontext gesetzt werden. Der neue Gedanke kann auch unabhängig von dem zuvor gedachten einfach im Raum stehen, auf dem Spielfeld abgelegt werden. Und wenn doch ein Zusammenhang entsteht – warum nicht? Die Fähigkeit, künstlerisch einen semantischen Faden zu spinnen, nennt man Talent. Talente sind nun mal auch bei Frauen vorhanden. Wenn ich also mal den künstlerischen Macho und meine Vorurteile beiseite lasse, dann erkenne ich das Talent von Mia Bernstein sehr gerne an.
“Erdbeerflecken” wäre in der Musik ein sogenanntes “Konzeptalbum” – es sind Konjunktive im Seifenblasenmeer. Mia Bernstein erlaubt es sich, mit ihrem Gedankenscrabble wunderbare Bilder verschwenderisch aneinanderzureihen. Andere Autorinnen würden damit ganze Wälzer füllen und ein einziges solcher Bilder in die Länge ziehen. Wie viele solcher Gedanken in den 14 Geschichten stecken, kann man übrigens an meinem Exemplar von Erdbeerflecken sehen. Als ich die ersten dieser Bilder entdeckt habe, war ein Eselsohr noch eine Option. Ein ganzes Taschenbuch aber voller Eselsohren? Einen beinahe akademisch anmutenden Textmarker vielleicht noch? Einen Bleistift für Randnotizen, etwas wieder Entfernbares? – Ich entschied mich für einen Fineliner und einem dezenten Punkt an den Stellen am Rand, die ich vielleicht mal wieder lesen möchte. Das sind eine ganze Menge Punkte geworden. Nur die Titelgeschichte hat mich geärgert. Ich, als Autor, bin ein Kämpfer für die Romantik. Auf wenigen Seiten straft Mia Bernstein romantische Metaphern, ja den Romantiker an sich ab. Aber da muß man durch. Sind eben harte Zeiten für Romantiker.
Mia Bernstein klagt das Leben an, ganz konkret, in einem Gerichtssaal. Der Leser als Zeuge. Ekelhaft, aber wohl wahr: gibt es wirklich diese Gedanken einer Frau, die vergewaltigt wird und dabei an die Größe der Vasen ihrer Lilien denkt, an Backrezepte oder die dreckige Wäsche im Bad? – Mag man als Mann kaum glauben. Die Frau steht nicht auf und wehrt sich, nein, ihre persönlich erfahrene Gewalt wird bizarrer Alltag. So etwas kann man nur mit diesem Stilmittel beschreiben.
Muss man sich wirklich die Erwartungen an ein Wiedersehen mit einer großen Liebe verkneifen? Kann das Sterben eines vermeintlich nahen Menschen wirklich an nicht vorhandenen Erinnerungen festgemacht werden? – Mia Bernstein widmet sich wirklich großen Fragen, das muss man sich als Autorin trauen. Ihr Konzept des Gedankenscrabbles zieht sie konsequent durch. Große Gedanken, kurzweiliges Stilmittel, gekonnte Umsetzung: “Wozu braucht man einen Menschen? Wenn der Verstand ausreichen würde, um Menschen zu geben, was sie brauchten, die Welt wäre leicht.”
Ja, so etwas möchte ich lesen. Das gibt mir etwas. Macht mich nachdenklich, ich denke “schön, ein schöner Gedanke”, als Autor bin ich ein kleines bisschen neidisch, hätte mir schließlich auch einfallen können. Sollen. Müssen. Mit Sicherheit ein Buch, zu dem man zwischendurch greift, um eine Inspiration zwischen Aphorismus und Anekdote zu finden. Die Stellen sind ja in meinem Exemplar entsprechend markiert. “Du warst die Premiere meines Lebens, du warst die Hoffnung auf mein Leben. Du warst der Beweis dass ich es verdient hatte, glücklich zu sein.”
“Erdbeerflecken” ist ein Buch, dass mich meiner Vorurteile beraubt hat. Unverschämt. Aber eines sei kritisch angemerkt: Ich erwarte eigentlich jetzt mehr von der Autorin. Keine Kopie, kein weiteres Gedankenscrabble. Mal wirklich einen längeren Text, in dem sich Metaphern allesamt in einem großen Kontext auflösen und geordnet sind. Und keine Ausreden! Das Talent ist da, ein Roman erfordert nur mehr Fleißarbeit, als ein letztendlich doch einfaches Aneinanderreihen von Motiven. Viele Motive werden über die einzelnen Geschichten hinweg verknüpft und wieder aufgenommen – Mia Bernstein kann das. Gedankenscrabble ist leider auch eine Ausrede, um das größere Projekt aufzuschieben.
Da bin ich dann wieder ganz der Macho. Stil als Ausrede. Typisch Frau.
“Erdbeerflecken” – Eine echte Entdeckung.
Mia Bernstein: “Erdbeerflecken”
ISBN: 978-3980959957
Verlag: Klare Texte + Bilder
136 Seiten
Weitere Infos:
Mia Bernsteins Homepage
Mia Bernsteins Weblog
Interview mit Mia Bernstein
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Keine deutsche Künstlerin in den letzten fünfzig Jahren wurde von den Medien derart kaltherzig gejagt und gnadenlos bloßgestellt wie Hildegard Knef: Umso erstaunlicher ist es, dass diese Schriftstellerin, Sängerin und Schauspielerin in ihren schwersten Jahren in Bezug auf Image und Gesundheit sich gerade einem Illustriertenredakteur grenzenlos anvertraute. In einer sensibel verfassten und dabei ergreifenden, aufrüttelten Beschreibung – soeben auf die Shortlist des Health Media Award 2011 gewählt - gelingt dem früheren Geschäftsführenden Redakteur der Zeitschrift BUNTE, Imre Kusztrich, jetzt ein Porträt der Künstlerin aus einem Blickwinkel, der bisher fehlte: Sein Buch „Ich bin kein Mannequin für Krebs – Reden, fühlen, zittern mit Hildegard Knef“ beschreibt eine von Krankheit und Schmerz geplagte, von Zweifeln belastete und von Zukunftsängsten gezeichnete Frau – auf sich allein gestellt in dem Bestreben, die Familie zu ernähren, ihre Fans zu begeistern und gleichzeitig der Öffentlichkeit ihren wahren gesundheitlichen Zustand zu verbergen.
R.E.M. haben 31 Jahre lang große Musikgeschichte geschrieben. Die einstige Indie-Band, seit 1997 nur noch ein Trio, war mit Hits wie "Loosing My Religion" oder "Everybody Hurts" einst die bestbezahlteste Band der Welt. Eine der ganz wenigen Größen, die die grössten Stadien der Welt füllen können. Heute haben R.E.M. offiziell ihre Trennung bekannt gegeben... : "I hope our fans realize this wasn't an easy decision; but all things must end, and we wanted to do it right, to do it our way. "We have to thank all the people who helped us be R.E.M. for these 31 years; our deepest gratitude to those who allowed us to do this. It's been amazing."
Die Gewinner des WDR Jazzpreises 2011 stehen fest. In der Kategorie „Jazz Improvisation“ entschied sich die Jury für den in Köln lebenden Pianisten Pablo Held. In der Kategorie „Jazz Komposition“ geht der Preis an Jazzmusiker Niels Klein. Beide Auszeichnungen sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert. Den Preis für den „Jazz Nachwuchs NRW“ erhält die Big Band der Fachhochschule Düsseldorf. Der Ehrenpreis des WDR Jazzpreises wird in diesem Jahr für besondere Verdienste der Hochschulausbildung NRW vergeben. Preisträger sind die Jazz-Studiengänge der Musikhochschulen in Köln und Essen.
Die Münchner Fotografin Luise Aedtner präsentiert ab September Bilder ihrer poetischen Reportage aus Japan bei der online-Galerie platform. Aedtner ist im Jahr 2010 zwei Monate quer durch Japan gereist. Dort lernt sie die japanische Kultur in der Stadt und auf dem Land kennen. Und sie stellt fest: Japaner sind ein wenig wie Ameisen in einem riesigen Ameisenhaufen. Alles ist quirlig, alles wuselt herum. Wenn man aber den Blick auf die einzelne „Ameise“ lenkt, dann wirkt sie einsam, fast melancholisch.
Dieser Essay erschien im Kultur-Magazin am 20.09.2001, neun Tage nach den Terroranschlägen in den USA. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die unkoordinierten Aussagen und Nachrichten schon ein wenig objektiver Berichterstattung untergeordnet. Aus heutiger Sicht würde ich einige Passagen nicht mehr so schreiben. Man merkt eben schon noch die Ahnung, wie sehr sich die Welt verändern würde. Die wichtigsten Diskussionen sind bis heute nicht abgeschlossen und die wichtigsten Fragen immer noch nicht beantwortet. Das Leitmotiv in diesem Artikel, nämlich Menschen "erobern" mit einem vermeintlichen Freiheitsgedanken erobern zu wollen, ist immer noch aktuell. So auch die Gründe, für ein Scheitern dieser Idee...
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Zwei absolute Klassiker der Popgeschichte gehen zusammen auf Tour: Bob Dylan und Mark Knopfler werden im Oktober und November acht Konzerte in Deutschland geben. Der Vorverkauf für acht Konzerte in Deutschland hat soeben begonnen.