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Klassiker Neuaufgelegt

DISINTEGRATION von THE CURE (1989)

Jede große Band hat ein Klassiker-Album im Backcatalogue. Welches das ist, darüber streitet sich gegebenenfalls die Fangemeinde. Große Bands zeichnen sich dadurch aus, dass beinahe jedes Album aus einer gewissen Schaffensperiode Klassiker-Potential hat. Ich denke DISINTEGRATION aus dem Jahr 1989 ist für viele Fans von THE CURE konsensfähig. THE CURE sind an ihrem kreativen Höhepunkt angelangt.

Von Peter Killert

Dazu trägt sicherlich auch das Video zu der Single LULLABY bei. Kafkaeske Klaustrophobie auf die Spitze getrieben. 1989 ist auch ein Jahr, in dem viele Ängste und Hoffnungen die Menschen begleiten. Noch ist sie nicht da, die Welt im Umbruch, eine neue Ordnung. Das kommt erst gegen Ende des Jahres. Also ist DISINTEGRATION ein Titel als Lebensgefühl, eine Melancholie, die am Anfang des Jahrzehnts begonnen hat. Robert Smith, der Mastermind von THE CURE, erklärte dieses Album zusammen mit PORNOGRAPHY und BLOODFLOWERS zum Teil einer Trilogie. Bei einigen Konzerten wurden zeitweise alle Titel dieser drei Alben gespielt. DISINTEGRATION steht damit auch nach Aussagen seines Schöpfers im Zentrum des Schaffens.

PICTURES OF YOU und FASCINATION STREET haben auf dem Album längere, beinahe quälende Intros als in den jeweiligen Single-Versionen. Gerade diese beiden Songs sind exemplarisch für die melancholische Grundstimmung. Die Melancholie unterscheidet sich von Traurigkeit ja durch eine gehörige Portion Hoffnung. Diese Hoffnung hat THE CURE ja im Grunde erst berühmt gemacht. FRIDAY I´M IN LOVE vom Nachfolgealbum WISH ist nun überhaupt nicht traurig. Diese konsequente Fortführung kündigt sich auch DISINTREGRATION an. Wie ein grauer Nachmittagshimmel im Herbst, eine kurze Regenpause, keine Sonne, aber aus dem grau wird für kurze Momente ein leuchtend weisser Himmel. LOVESONG begleitet von einer monotonen Mellotron-Melodie und einem Robert Smith in Höchstform ist die Visitenkarte von THE CURE. Eingebettet in tiefer Schwermut ist DISINTERGATION nichts für schwache Gemüter. Dumpfe Gitarren, nicht selten ein wenig disharmonisch und ein Gesang mit routinierter Weinerlichkeit. Robert Smith hat einmal gesagt, er könne sich an kaum eine Aufnahmesession von DISINTEGRATION erinnern, da er ständig betrunken gewesen sei. Das ist auch wieder ein Hinweis: so eine fortdauernde Melancholie kann nur künstlich, nein künstlerisch erzeugt werden. THE CURE sind auch Programm und Konzept – beides geht hier perfekt auf.

Vor kurzem ist eine Deluxe-Edition von DISINTEGRATION erschienen. Neben dem “restauriertem” Originalalbum gibt es zwei weitere CDs. Eine mit Demo- und Alternativ Versionen. Die andere mit einer kompletten Live Version des Albums, aufgenommen unter dem Namen ENTREAT im Erscheinungsjahr 1989. Auch THE CURE haben mittlerweile ihren gesamten Backcatalogue remastered und mit Extras wiederveröffentlicht.

(Ein Klick auf das Cover verrät, wo Sie das Album kaufen können ;-) )


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