Manche Gegenden in Europa haben etwas Mystisches. Schottland – “Ein Land aus Nebel und Licht” ist ein neues Buch von Gunnar Kunz und bringt uns der Faszination einer „Backpacker“-Reise durch Schottland näher. Eine Mischung aus Bildband, Anekdotensammlung, Aufklärung und Erklärung von Klischees, sowie Erfahrungsberichte aus erster Hand, die so manchen Reiseführer ersetzen könnten. Ergänzt und illustriert werden die Texte des Autors mit Schwarz/Weiß Fotos seiner zweiten Heimat. Und diese Bilder sind keine Urlaubsschnappschüsse, sondern gelungene Aufnahmen mit künstlerischem Anspruch.
Von Peter Killert
Gunnar Kunz ist mir – obwohl ich den Autor persönlich gar nicht kenne – aus einem besonderen Grund sympathisch: er besitzt weder Auto noch Führerschein. Er gibt selbst zu, dass ihn das bei seiner Reise nach Schottland ein wenig gestört hat, ist man doch auf Busse und andere Verkehrsmittel angewiesen. Man kann also nicht mal eben aussteigen und innehalten. Sympathisch ist mir das deswegen, weil ich ebenfalls zu der seltenen Spezies gehöre, die keinen Führerschein besitzt. Diese besondere Sichtweise, dieses Angewiesensein auf den Kontakt zu anderen Menschen in einem fremden Land, bekommt so eine besondere Note, die mir nicht fremd ist. Ich kenne das ebenfalls … . Man bekommt so ein Auge für Zusammenhänge, die man beim Fahren durch eine Gegend, wo man ankommen möchte und nicht den Weg selbst als Ziel sieht, vermutlich gar nicht oder kaum wahrnimmt. Gunnar Kunz zeigt uns diese besondere Perspektive in seinen Bildern, die streckenweise wirklich erstklassig sind.
Tolle, weite Landschaften, Wolken, Lichtspiele, Burgen, Seen, zerklüftete, scheinbar unberührte Landschaft. Alles in Schwarz/Weiß – Ehrlich gesagt, zunächst habe ich bei ersten Durchblättern gedacht, OK … Schwarz/Weiß … kleiner Verlag … man will wohl ein paar Druckkosten sparen
. Aber schon beim ersten, genaueren Durchblättern verliert sich dieses Vorurteil. Mit dieser Art der Fotos wird die Betrachtung in der Tat kunstvoll – sie hebt sich von dem doch weitestgehend nüchternen Stil des Autors ab. Der Text, mit vielen sehr praktischen Tipps und Einschätzungen, steht so im Kontrast zu den Fotos. Kein Bildband in glänzenden Farben und stilisierten Fotos. Die Farbe kann man ja selbst mit einer Reise nach Schottland in seinen Vorstellungen ergänzen.
Gunnar Kunz gibt uns ein paar historische Einblicke, wenn er von Schauplätzen, Schlachten und Mythen erzählt. Aber vergessen sie Loch Ness und vor allem, glauben sie nicht immer, was der durchschnittliche Reiseführer sagt! Nach den Erfahrungen von Kunz findet man in der Regel immer spontan einen Platz zum Schlafen, wenn man abends irgendwo ankommt – durchgeplantes
Reservieren und Buchen ist eigentlich nicht nötig. Viele Menschen in Schottland sind auf die Nebeneinkünfte einer Zimmervermietung angewiesen und hilfsbereit sind sie sowieso.
Einziger Kritikpunkt: zumindest auf den Fotos sieht man nichts von den Menschen in Schottland. Kunz konzentriert sich auf die Landschaften. Aber es heißt ja auch „Land aus Nebel und Licht“. Auch noch die Menschen und deren Befindlichkeiten zu charakterisieren – ein Unterfangen, das mit Fotos ohnehin schon schwierig ist – wäre vielleicht ein eigenes Projekt.
Wenn sie den schottischen Herzschlag suchen – egal ob als Ergänzung für den Schottland-Kenner oder als Anregung für die nächste Erlebnisreise – kann ihnen „Land aus Nebel und Licht“ als gelungener Wegweiser dienen. Geschrieben von jemandem, der ihn gefunden und eingefangen hat.
Weitere Infos zu dem Buch finden Sie hier: http://www.schottischer-herzschlag.de
Land aus Nebel und LichtVon Gunnar Kunz
Erschienen im Drachenmond VerlagISBN 978-3-931989-61-3 |
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