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Amy Winehouse – Ein Nachruf.

Der sogenannte Klub 27 hat ein neues Mitglied: Amy Winehouse. Ihr Schicksal war absehbar und vielleicht gerade deswegen sind die Tatsachen besonders betrüblich. Selbst für einen wie mich, der mit R´n B, Soul, eben der Stilmischung, mit der Amy Winehouse bekannt geworden ist, eigentlich gar nichts anfangen kann. Legenden sind nicht nur unverwechselbar – das ist im Grunde jeder Künstler. Legenden sind nicht nur einzigartig in dem, was sie tun – das ist streng genommen jeder Mensch in seiner Welt. Legenden sind nicht nur stilbildend – ein Stil löst sich von dem Menschen selbst und kommt ohne ihn aus. Legenden sind alles zugleich und nicht kopierbar. Niemand wird jemals wieder Gitarre spielen wie Jimi Hendrix. Niemals wieder wird es so eine Sängerin geben.

Von Peter Killert

Wie gesagt, mit der Musik von Amy Winehouse kann ich nicht viel anfangen. Aber ein grundlegendes Interesse an Musik reicht aus, um die Einzigartigkeit dieser Stimme anzuerkennen. Dunkel, klar und manisch, gehaltvoll – Amy Winehouse hat sich selbst erfunden und sich verloren. Ihre Musik bleibt, aber leider auch ihr trauriges Schicksal. Das Heroin bei Joplin, die Schrotflinte bei Cobain. Bei Amy Winehouse war es wohl die Depression, die sie vom Zenit ihres Schaffens, den sie schon mit Mitte zwanzig überschritten hatte, in dem Abgrund geführt hat. Dieses Schicksal ist wie bei allen tragischen Legenden mit ihrer Musik verbunden. Selbst wenn wir es verdrängen wollten, ihre Musik wird uns an diese Depression erinnern. Aus künstlerischer Sicht mag es gerechtfertigt gewesen sein, sie bei ihrem Comebackversuch von der Bühne zu buhen. Menschlich tut das leid. Aber mit Mitleid wertet man das, was bleibt, zu sehr ab.

Denn ich bin mir sicher – dieser Comebackversuch wird nicht entscheidend für die Musikgeschichte sein. Wie viele miese Auftritte muss es von Jimi Hendrix gegeben haben? Mal ehrlich, Sid Vicious hatte nie wirklich Ahnung von Musik und neben dem musikalischen Genie eines Cobain, war doch auch ziemlich viel dummes Gequatsche und Substanzlosigkeit in allem abseits des Studios oder der Bühne – das sage ich als jemand, der diese Lebenseinstellung damals voll mitbekommen hat. Und Amy Winehouse? – Ich kenne niemanden, der sich über ihr Schicksal wundert. Bestätigung für den Nicht-Fan? Nein, keineswegs. In ihrem Tod steckt eine traurige Ehrlichkeit und die Frage, ob die Kultur so eine Tragik braucht. Anscheinend ist das so. Das Genie ist auch immer das Opfer an der Genialität, das eigene Talent mit eigenem Stil, Hingabe und Können verbunden zu haben. Ihre Augen, ihre dünnen Beine, die Frisur, die Stimme – ein armes Püppchen in ihrem Dasein, eine Diva in ihrer Musik. Sieht so das Schicksal aus oder hat sie alles selbst gewählt, nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Tragik selbst entworfen? Das glaube ich nicht. Sie hatte schon zuviel Kraft in ihre Musik gesteckt. So jemand, so jung, ist nicht Herr des eigenen Schicksals.

Jetzt wird der Ausverkauf beginnen. Darüber werden sich wieder viele aufregen. Es werden Aufnahmen ausgekramt, bei iTunes wird es bald die “Winehouse Essentials” geben und irgendwann wird ihr kurzes Leben verfilmt, vielleicht sogar ganz gut, wenn es eine Schauspielerin wagt, sich in diese Abgründe überzeugend zu begeben. Wäre eine echte Herausforderung und für die wahren Fans vermutlich eine abstossende Vorstellung.

Amy Winehouse ist eine Künstlerin, die mich dazu bewegt hat, zum ersten Mal im Kultur-Magazin einen Nachruf zu schreiben. Diese Nachruf fordert Respekt an eine ganz große Künstlerin unserer Zeit. Ich hatte zunächst überlegt einen Link auf die “Back To Black” vom Konzert in Belgrad im Juni hier reinzusetzen, als Pendant zu dem nachfolgenden Video. Unschwer hätte man den Niedergang sehen können. Aber das muss nicht sein.

Stattdessen Amy Winehouse vor knapp vier Jahren. Bei diesem Video (BBC Sessions, London, Porchester Hall, März 2007) gibt es einen bezeichnenden Dialog am Anfang mit dem Publikum. Winehouse ist genervt von der Tatsache, dass man diese Songs, die alle hören wollen, runterspielen muss. “You write all these songs when you are fucked up. And then it comes to a Gig and you have to sing them in a row – that´s … depressing …” .Da ruft jemand im Publikum “I Love You!”. Und an der scheinbar witzigen Reaktion von Amy Winehouse, die irgendwie nicht so überzeugend ist, wie ihr Statement zuvor, wird deutlich, wie weit sie damals schon weg ist. Trotzdem – dann singt Amy Winehouse “Back To Black”, musikalisch überzeugend, zeitlos … . So wird sie in Erinnerung bleiben.



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