Start Visuelles „Bosch“ – Von den Bestsellern zur Serie mit Kultstatus

„Bosch“ – Von den Bestsellern zur Serie mit Kultstatus

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Es war eine der ersten Exklusiv Serien bei Amazon Prime vor einigen Jahren. Und sie war von Anfang an erfolgreich. Selbst nach fünf Staffeln ist kein Qualitätsverlust zu erkennen. Was macht den Mythos „Harry Bosch“ aus? Warum ist diese Serie besser als so viele andere?

Also bisher kenne ich niemanden, der diese Serie nicht gut findet. Die vielen, sehr positiven Kritiken überall  zeugen von einer breiten Zustimmung. Mehr noch als über den Start einer neuen Staffel freue ich mich davon zu hören, dass die nächste Staffel von Amazon schon bestellt wurde. Nächstes Jahr, so zur Osterzeit, ist dann wieder „Bosch“-Zeit.

Michael Connelly
Credit: Mark DeLong Photography

Was ist das Besondere an dieser Serie? Es kommen verschiedene Faktoren zusammen. Der wichtigste Faktor ist ganz sicher der Autor. Michael Connelly ist vermutlich der beste Krimi-Autor der Welt. Wenn ich es richtig gezählt habe, dann wird in Kürze der 19te Bosch Roman veröffentlicht. Und jeder war ein Bestseller. Connelly ist in die Serie stetig involviert und achtet darauf, dass sich alles so entwickelt, wie es zu seinen Büchern passt. Als Executive Producer hat er sicher einiges mitzureden. Der rote Faden geht nicht verloren.

Angefangen hat alles im Jahr 1992, als mit „Schwarzes Echo“ der erste Bosch-Roman erschienen ist. Das Buch erhält den renommierten „Edgar Allan Poe Award“ – nur die erste Auszeichnung von vielen, die dann folgten. Der Hauptcharakter, Detective Harry Bosch, ist ein geradliniger Cop im Morddezernat von L.A., Hollywood Division, Vietnam-Veteran und vielleicht ein wenig traumatisiert und etwas verschlossen – damals waren die Smartphones noch nicht erfunden und Computer waren große Ungetüme mit Buchstaben in Bernsteinfarben. Macht nichts – ein guter Krimi ist zeitlos.

Connelly hat in einem Interview erzählt, dass es bereits in den 90er Jahren Versuche gab, den Stoff zu verfilmen. Aber alle Ansätze haben ihm nicht gepasst. Allein der Charakter „Bosch“ konnte nicht in ein paar Dutzend Seiten eines Manuskriptes gepresst werden. Fast zwei Jahrzehnte später – in der Zwischenzeit gab es wohl auch den ein oder anderen Rechtsstreit bezüglich der Rechte zur Verfilmung – war dann der Plan zu der heute so erfolgreichen Serie geboren.

Aber die zwei Jahrzehnte mussten natürlich jetzt plausibel transformiert werden. Der erste Roman spielt 1992 – die Serie startet in den 2010er Jahren. Aber wenn der Autor, der seine Charaktere natürlich kennt, wie kein anderer involviert ist, wird aus dieser Transformation ein Kunstgriff. Bosch wird in der Serie zum Irak und Afghanistan Veteran und von der resoluten FBI Agentin Eleonor Wish, die er in „Schwarzes Echo“ erst kennen und lieben lernt, ist er in der Serie bereits geschieden. Auch die Tochter Maddie, die im Laufe der Serie immer wichtiger wird, ist schon da. Aber das Haus in den Hollywood-Hills, der Jazz und der kühle, manchmal aber auch sehr sanfte Charakter, ist in Buch und Serie identisch. Damit der Touch der frühen 90er erhalten bleibt, ist die Figur „Bosch“ ein wenig technophob. Das Klapphandy ist das höchste der Gefühle, das Skypen bekommt er von der Tochter gezeigt und Musik gibt es nur über alte Schallplatten. Nostalgie, die von der Stetigkeit der Serie getragen wird.

Connelly hat die Kontrolle über seine Charaktere in der Serie, ist aber – so macht es den Eindruck in den vielen Interviews und Statements – kein Diktator, sondern lässt dem Team alle Freiräume. Die Arbeit ist ein perfekt abgestimmtes Teamwork. Hauptverantwortlich für das Drehbuch ist nicht Connelly, sondern Eric Overmyer, ein preisgekrönter Drehbuchautor, der auch schon bei der sehr komplexen und erfolgreichen Serie „The Wire“ federführend war.

Season 6 Bosch
Aus dem Instagram-Account von Michael Connelly – die Planungen für Staffel 6 beginnen.

Die ausgearbeiteten, so stark manifestieren Charaktere, werden von genialen Schauspielerinnen verkörpert. Allen voran natürlich Titus Welliver als Harry Bosch – das ist die Rolle seines Lebens, keine Frage. Das hat er immer wieder bestätigt. Harry Bosch sei der interessanste Charakter, den er spielen könnte. Ein Glücksfall für ihn, aber eben auch für Michael Connelly, der den bestmöglichen Schauspieler für diese Rolle gewinnen konnte. „Wenn man 25 Jahre seines Lebens in der Welt des Harry Bosch verbringt und diesen Charakter gebildet hat, dann ist das ein Glücksfall“, sagt Connelly sinngemäß immer wieder in diversen Interviews. Welliver wird „Bosch“ spielen, solange es ihm ermöglicht wird.

Michael Connelly hat übrigens eine sehr interessante Homepage. Man kann dort quasi in Echtzeit die Entstehung einer neuen Staffel verfolgen, dem „Murderpodcast“ des Autors folgen und erhält Einblicke in die Gedankenwelt des Autor. Sein Blog und sein Instagram-Account sind die Quelle für neues Material für die vielen Fans in der ganzen Welt. Seinem Podcast zu zuhören oder auch seine Bücher im Original zu lesen – beides ist übrigens sehr gut geeignet, um die englische Sprache besser zu lernen. Connelly spricht, wie er schreibt. Sehr klar, sehr strukturiert und sehr unterhaltsam.

Derzeit wird die sechste Staffel geplant und im Laufe des Jahres verfilmt. April / Mai 2020 ist dann wieder Bosch-Time. Bosch hat ja jetzt einen Hund. Wir wollen doch sehen, wie er mit dem Vierbeiner „Coltrane“, benannt nach seinem Lieblingsmusiker, klarkommt. Wir wollen noch mehr Jazz, noch mehr Ausblicke auf das Tal zu Füßen der Hollywood-Hills, bei Nacht in dem die Stadt der Engel liegt.

Michael Connelly und Titus Welliver kündigen Season 6 an:

Stellvertretend für die Serie hier der Trailer zu Staffel 4:

 

Hier einige Links:

Homepage Michael Connelly

Instagram Accounts Michael Connelly / Titus Welliver