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REWORK – Eine Pflichtlektüre

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Maßstab einer jeden Wirtschaftsleistung ist der Profit. Mehr, mehr und mehr, mit so wenig Personal wie möglich. Wer Millionen hat braucht noch mehr Millionen. Wachstum ist Alles. Dass diese Philosophie irgendwann ins Verderben führt, haben die Intellektuellen des “Club Of Rome” schon vor über dreißig Jahren erkannt. Es ist ja auch logisch – wenn der Kuchen aufgeteilt ist, dann ist er aufgeteilt. Dann lassen sich die Wachstumsparameter nur noch künstlich erzeugen, durch Schulden oder undurchsichtige Finanzprodukte.

Jason Fried Rework

Bisher gibt es nur wenige Vertreter in der Ökonomie, die diese Erkenntnis in die Tat umsetzen oder gar als konträre Philosophie den Mechanismen unserer Zeit gegenüber setzen. Jason Fried, Macher des Blog 37signals.com und Erfinder des innovativen Frameworks „Ruby On Rails“ (findet sich in zahllosen Anwendungen des Internets) hat REWORK als Nebenprodukt seines Blogs publiziert. Es ist ein internationaler Bestseller und ein stark polarisierendes Buch, was nach meinem Verständnis in dieser Thematik ein Qualitätsmerkmal ist.

„Planning is guessing“, „Meetings are toxic“ – Ich bin mir nicht mal sicher, ob Fried mit meiner Einschätzung, dass seine Einstellung ein Gegenentwurf zu althergebrachten kapitalistischen Ansätzen ist, überhaupt einverstanden wäre. Fried sieht nicht das große Ganze, sondern argumentiert immer auf individueller Ebene. REWORK ist eine Betriebsanleitung, wie man heute „Unternehmer“ sein kann und gleichzeitig den individuellen Anforderungen an das eigene Leben gerecht werden kann. Vier Tage Arbeit die Woche, wann ist egal, solange die Arbeitsziele erreicht werden, keine Hierarchien, Vertrauen und das Auflösen von Paradigmen:

• Welchen Grund sollte es für das andauernde Anstreben von Wachstum geben?

• „Workaholics“ oder sogar Überstunden sind kontraproduktiv

• Warum sich an der Konkurrenz orientieren?

• Lebensläufe und Zeugnisse haben keine Aussagekraft

… und viele weitere Aussagen, die allesamt in ein Gesamtkonzept passen. Fried und seine Unternehmung sind selbst das beste Beispiel für die Richtigkeit dieser Ansätze.

REWORK ist aber keine Bibel und Fried kein Messias. Er ist keinesfalls ein Kritiker des Kapitalismus oder ein Weltveränderer. Der entscheidende Gedanke ist, dass Unternehmer selbst, so wie er einer ist, zu logischen Schlussfolgerungen kommen, die immer breiter, immer intensiver und immer häufiger diskutiert werden. Egal, welchen Teilaspekt der Thesen von Fried man diskutieren mag – die Diskussion wird sich um die wirklich wesentlichen Fragen drehen. Es gibt nämlich keine rationalen Gründe für unendliches Wachstum, es gibt keine Gründe für Überstunden, wenn der Mensch eh nur zu einem gewissen Maße am Tag produktiv sein kann. Wird diese Grenze ständig bis ans Limit ausgereizt, dann hat das immer negative Folgen.

Noch viel spannender dürften die sich anschließenden Diskussionen sein. Fried sagt eindeutig, dass eine auf reiner Delegation basierende Hierarchie ohne Wissenstransfer unproduktiv ist – die Struktur ist der Anker für Substanz. Fried sagt auch, eine Kultur entsteht nicht aus dem Nichts. Kultur ist die Substanz. Er definiert diesen Begriff nicht und eben das ist spannend. Fried setzt in seinem Text das um, was er propagiert – man braucht sich gar nicht in Wesentlichkeiten verlieren. Die Wesentlichkeiten sind klar und ergeben sich von selbst, wenn die Ansprüche stimmen und Menschen mit Respekt behandelt werden.

Das kleine Königreich BHUTAN macht es vor: Maßstab für die Regierungsarbeit dort ist nicht das Bruttoinlandsprodukt, sondern ein „Glücksindex“. Das sagt mehr über die individuelle Zufriedenheit der in einem Land lebenden Menschen aus, als ein Wachstumsfaktor. Und es gibt nicht wenige Intellektuelle, die das ähnlich sehen, die diese scheinbare naive Idealisierung auf die Tagesordnung heben. Der „Club Of Rome“ macht dies seit Jahrzehnten. Jason Fried und sein Buch „REWORK“ ist Vorreiter dafür, dass dieses Denken auch bei ökonomischen Schlüsselfiguren angekommen ist – REWORK sollte Pflichtlektüre für alle angehenden Unternehmer und Manager in großen Unternehmen sein.