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Literarische Leckerbissen im August 2019

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In unseren “Literarischen Leckerbissen” stellen wir Ihnen besondere, ausgewählte Bücher vor – handverlesen sozusagen. Dabei sind Neuauflagen, Klassiker und hoffentlich ein paar echte Entdeckungen. Bitte klicken Sie auf die Cover oder die Autorenfotos für weitere Informationen.

Backcatalogue

Schlink - Der VorleserBeginnen wir unsere literarischen Leckerbissen im August 2019 mit einigen angekündigten oder bereits erschienenen Büchern. Ein Klassiker – und neben “Das Parfüm” von Patrick Süskind übrigens das erfolgreichste deutschsprachige Buch der Nachkriegszeit – erscheint zum 75. Geburtstag seines Autors als Neuauflage:  “Der Vorleser” von Bernhard Schlink. Unter anderem lesen Sie ein Nachwort von Jürgen Kaube (Herausgeber der FAZ).

Hermann MelvilleDer 200. Geburtstag von Herman Melville wird gleich mit mehreren Neuauflagen gefeiert. Neben dem wohl bekanntesten Werk “Moby Dick” gibt es für Sammler auch neue Editionen von “Billy Budd” (mit einem Essay von Albert Camus) und den “Meistererzählungen”.

Brecht Notizbücher Band 4Wer Faksimiles mag, also exakte Abbildungen eines Tage- oder Notizbuchs mit zusätzlicher Transkription und Erläuterungen, der wird sich den 4. Band der Notizbücher von Bertolt Brecht nicht entgehen lassen dürft. Er umfasst die Zeitspanne 1921-1923. Es ist die Zeit der ersten großen Erfolge von Brecht und auch privater Veränderungen. Brecht geht nach Berlin, er wird Vater … . Das ist sicherlich eine spezielle Serie, geeignet für Brecht-Fans, die das Leben des Autors im Detail nachempfinden wollen.

“Orpheus” Reloaded

Orpheus von Jalih SamalEs gibt literarische Stoffe, die sind zeitlos. Manchmal werden sie in das Hier und Jetzt überführt. Und immer schwingt das Vorurteil mit, etwas Altbackenes, etwas längst Auserzähltes vor sich zu haben.

Nicht so bei dem Roman “Orpheus” von Salih Jamal. Die Geschichte von “Orpheus und Eurydike” ist einer der Klassiker wenn es um unerfüllte Liebe geht. “Orpheus” ist in dem Roman von Salih Jamal jedoch keine Sagengestalt, sondern ein “Rock- und Bluessänger”, der sich mit Nebenjobs über Wasser hält. Er verliebt sich in Nienke, eine Anwältin, die Im Unternehmen seines Großvaters Zeus arbeitet. Der ist wie ein despotischer Patriarch und offensichtlich in einige miese Geschäft verwickelt. Sie können erahnen, in welche Richtung das geht – Salih Jamal transformiert den Klassiker in einen neuzeitlichen Roman, beinahe in einen Thriller. Viele der agierenden Personen in seiner Geschichte haben jeweils ein Pendant aus der Sagenwelt. Aus dem Fährmann “Charon” wird ein Chauffeur und “Hera” ist die intrigante Ehefrau des Zeus.

Jalih SamalMich hat diese Idee ein wenig an den Klassiker “Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui” von Brecht erinnert. Das ist zwar ein Theaterstück und kein Roman – aber auch hier werden deckungsgleiche Figuren übereinander gelegt – dieser literarische Kniff erfordert vor allem eines: sprachliche Präzision. In dem einleitenden Gedicht schreibt der Autor

Wir kämpfen um Seelenheil, Sonderangebote, gegen Störung
jeglicher Art. Wir kämpfen verzweifelt und hart.

Wir kämpfen gegen Krankheit, Kollegen und Krieg.
Um unseren Punkt. Mit Gier für den schmutzigsten Sieg.

Das zielt sehr treffend auf den Zeitgeist. Salih Jamal hat echt Ahnung von seinem Handwerk und beherrscht diese sprachliche Präzision. Auf der Homepage des Autors finden Sie Lese- und Hörproben, die Lust auf mehr machen.

 

Lebenslauf mal anders

LebenslaufDieser Leckerbissen kommt aus dem Bereich Selfpublishing. “Lebenslauf – Kein Wettkampf” von Lutz Balschuweit und ist weder eine Biografie, noch ein Ratgeber und schon gar kein ´Lebenslauf´, wie man meinen könnte – der Autor schildert einen Lebensabschnitt, der erst mit den 40. Lebensjahr beginnt. Das Laufen verändert das Leben, aber auch die Verhaltensweise, die Werte an sich, die Kommunikation – es zeigt, wie eine Affinität im Leben sich auf nicht-sportliche Bereiche ausdehnt und damit eine ganz besondere Form der Motivation bedeutet.

 

Das Glück in der Logik

ParadiesbaumChristiane Killian wiederum findet das Glück in der Logik. Was sich wie ein Widerspruch anhört ist ein für die Philosophen sehr bekannter Gedanke und eine Art “Beiklang” der Deutschen Idealismus. Schon Immanuel Kant hat in der “Kritik der reinen Vernunft” die Verstandeskategorien und letztlich das ethisch-moralische Verhalten des Menschen aus den naturwissenschaftlichen Begebenheiten und den idealen Konstanten “Raum” und “Zeit” abgeleitet.

Christiane Killian geht das sehr viel pragmatischer, greifbarer und individueller an. Sie nutzt einen “Paradiesbaum”, der ausgehend von grundlegenden Fragen zu einer Art Selbstreflexion anregt. Positive Aspekte des eigenen Lebens werden zu Fragen umformuliert, negative Gedanken in positive Affirmationen umgesetzt (die Autorin wandelt diesen Begriff in “Afformation” um). Dieses Prinzip hat etwas individuelles, ist sicherlich eine Bereicherung für jede Persönlichkeitsentwicklung und hat eben – was ich für das Wichtigste halte, da es damit etwas Substanzielles bekommt – eine sehr logische Struktur. Bäume kommen auch in der Mathematik vor, die Grundlagen basieren auf “Theory of Contraints” – eine Methode, die zum Beispiel auch in Software zum Thema “Outlining” angewendet wird – und sie ist eben sehr pragmatisch.