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Bisher unveröffentlichte Manuskripte von Franz Kafka vorgestellt

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Was für ein sensationeller Festtag für alle Kafka-Freunde! Das Ende eines jahrelangen Rechtsstreites um einen Teil des Nachlasses von Franz Kafka, hat endlich zu sichtbaren Ergebnissen geführt. Die Nationalbibliothek in Israel hat die ersten Fotos von Manuskripten, Zeichnungen und Korrespondenz von Kafka, bisher verborgen in einem Bankschließfach in Zürich, veröffentlicht. Bis Ende des Jahres soll alles im Internet katalogisiert verfügbar sein. Insbesondere die kleinen Zeichnungen, oftmals nicht mehr als Kritzeleien, sind sehr aufschlussreich.

Franz KafkaUpdate: Als Antwort auf meine Anfrage bei der Israelischen Nationalbibliothek haben wir einige Bilder der Manuskripte erhalten und auch die Erlaubnis, diese veröffentlichen zu dürfen. Der Artikel wurde daher mit einigen Fotos ergänzt. Ein ganz herzliches Dankeschön an die Nationalbibliothek in Jerusalem! 

Der Kampf um das Erbe von Kafka gleicht einem Krimi. Eigentlich sollte Max Brod, bester Freund von Franz Kafka, den gesamten Nachlass verbrennen, was dieser nicht getan hat. Viele Manuskripte, die heute zur Weltliteratur zählen, wurden so überhaupt erst veröffentlicht. Die Originale, sowie einige unveröffentlichte Texte, blieben bei Max Brod. Brod selbst blieb kinderlos und vermachte den gesamten Nachlass seiner Sekretärin Ester Hoffe. Deren Erbinnen wiederum, hielten die Manuskripte in Privatwohnungen unter Verschluss, in denen aus diesem Grund des öfteren eingebrochen wurde. Denn spätestens seit 1988, das Jahr in dem das Original-Manuskript von “Der Prozess” bei Sothebys versteigert wurde (heute ist das Manuskript im Besitz des Literaturarchivs in Marbach), wusste die Öffentlichkeit: da ist noch mehr. Wie viel verschwunden ist oder anderweitig verkauft wurde – darüber gibt es nur Spekulationen. Fakt ist, dass immer mal wieder Manuskripte auftauchten, weil die Hoffe-Töchter diese zu Geld machen wollten.

Franz Kafka - Manuskripte1
Unverkennbar die Handschrift von Franz Kafka. Einige der vielen Seiten, die jetzt aus einem Züricher Bankschließfach geholt wurden. Mit freundlicher Genehmigung (c) Israelische Nationalbibliothek.

Die Hoffe Töchter wollten dann 2008 den weiteren Nachlass ebenfalls nach Marbach verkaufen, woraufhin sich aber der Staat Israel einschaltete. Es ging schlicht um die Frage: Wem gehört Kafka? Kafka war Jude, wobei dieser Aspekt in seiner Literatur kaum zur Geltung kommt, er lebte in Prag und schrieb in Deutsch. In Prag gibt es bereits einige Manuskripte, Museen und Pilgerstätten, Deutschland besitzt mit dem “Prozess Manuskript” bereits einen wichtigen Teil aus dem Nachlass und es ist eigentlich nur gerecht, dass “der Rest” jetzt in Israel bleibt. Zumal der Nachlass für die Öffentlichkeit im Internet zugänglich sein wird. Jetzt wurden zunächst nur ein paar Fotos veröffentlicht, die auf einer Pressekonferenz gemacht wurden – es ist von tausenden Seiten die Rede, viele Briefe, Skizzen und u.a. drei verschiedene Varianten der Geschichte “Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande”.

Frank Kafka - Zeichnungen
Der Nachlass zeigt eine ganze Reihe von Zeichnungen Kafkas. Bisher waren nur wenige Zeichnungen von ihm bekannt. Die Ähnlichkeit mit diesen bekannten Zeichnungen ist offensichtlich. Mit freundlicher Genehmigung (c) Israelische Nationalbibliothek.

 

Franz Kafka Signature

Etwas sensationell Neues – also ein gänzlich neues Manuskript oder ein Theaterstück, an dem Kafka gearbeitet haben soll – ist nicht zu erwarten. Es soll jedoch einige autobiografische Notizen geben. Und auch die Korrespondenz dürfte interessant sein. Viele Aspekte des Kafakaesken haben sich nach dem Tod des Autor durch die Tagebücher und die Briefe ergeben. Das könnte auch diesmal der Fall sein.

Kafka Manuskripte
Bei diesen Seiten handelt es sich um eine Maschinenschrift des “Brief an den Vater”. Die Originalhandschrift ist bereits seit längerem im Besitz des Literaturarchivs in Marbach, ebenso wie das Manuskript zu “Der Prozess” und zahlreiche Brief Kafkas. Mit freundlicher Genehmigung (c) Israelische Nationalbibliothek.

Es stellen sich jedoch einige wichtige Fragen, die auch heute noch unbeantwortet sind. Vielleicht erfahren wir in den nächsten Wochen und Monaten mehr. So ist zum Beispiel nicht klar, an welchen längeren Texten Kafka nach “Der Prozess” geschrieben hat. Dass er aber literarisch aktiv war, ist bekannt – nur die Ergebnisse fehlen, sind verschollen oder verteilen sich in diesen tausenden Seiten. Man muss außerdem bedenken, dass diese vielen Seiten nicht direkt der Nachlass von Kafka sind, sondern der Nachlass von Max Brod. Wie viele der Seiten gänzlich Kafka zugeschrieben werden können, wird die Auswertung zeigen.

Kafka Manuskripte
Weitere Dokumente aus dem Nachlass. Dies ist aber offensichtlich nicht die Handschrift von Franz Kafka. Vermutlich handelt es sich hier um ergänzende Texte von Max Brod. Mit freundlicher Genehmigung (c) Israelische Nationalbibliothek.

Das Kultur-Magazin wird sie zu diesem Thema auf dem Laufenden halten.

Das nachfolgende Video wurde auf der Pressekonferenz gedreht und zeigt einige der Manuskripte. Man erkennt sofort die typische Handschrift von Franz Kafka.

Hier noch einige Links mit weiteren Infos und Fotos. Jedem Kafka-Kenner geht da das Herz auf … .

Hintergrundinfos bei den Kollegen von SPIEGEL.DE

Bisher unbekannte Zeichnungen von Franz Kafka

Das blaue Notizbuch

 

 

1 KOMMENTAR

  1. Kafka und seine Bücher, haben etwas besonders, wenn Frau – Mann sie ließt.
    Es kann sein, das ich noch zu jung war, als ich den Proßes gelesen habe. Aber
    sein Schreibstil gefiel mir. Das er gezeichnet hat, ist mir neu !! Aber wie wir wissen,
    kann man aus allem etwas ab gewinnen. Da ich auch kein Grafiker bin, aber ich habe
    schon viel geschrieben, würde ich diese g3eschichten gern illustrieren. Da ich das aber
    nicht kann, habe ich schon einige gefragt, die es könnten. Machen sie aber nicht, wie
    so auch immer. Das jetzt Kafka ins richtige Licht gerückt wird, ist doch gut. Denn Kafka
    wurde bestimmt verkannt. So wie viele verkannt werden, aber ob sich das zu recht rückt ??

    Erich Heeder – Stadtteilkünstler – Objekte – Autor / Hamburg