Start Visuelles Was für ein schöner Film

Was für ein schöner Film

94
0

Warum bei den Academy Awards dieser Film letztes Jahr unberücksichtigt blieb – es ist mir ein Rätsel. Es gab lediglich eine mickrige Golden Globe Nominierung. Dabei hätte dieser Film so viel mehr verdient gehabt. Hier wird nicht nur ein großes Stück Filmgeschichte in das Hier und Jetzt transferiert – zwei Schauspieler zeigen hier ein unglaubliches Talent. Wenn Schauspielerei das Sich-Hineinversetzen in eine andere Person ist, dann sind Steve Coogan und John C. Reily absolute Meister ihres Faches.

Stan & OllieWenn Erinnerungen aus der Kindheit wachgerufen werden, weil man zufällig eine Szene aus einem Film, einer Werbung oder eine Serie von damals gesehen hat, dann entsteht Nostalgie und man schwelgt in diesen Erinnerungen. Bei „Stand & Ollie“ werden diese Erinnerungen – so unglaublich das klingen mag – von Schauspielern erzeugt, die noch gar nicht auf der Welt waren, als Ihre Figuren schon gestorben waren und längst ein Mythos der Filmgeschichte waren. John C. Reilly (bekannt aus „Magnolia“ oder „Der Gott des Gemetzels“) verkörpert Oliver Hardy und der nicht ganz so bekannte britische Komiker Steve Coogan schlüpft in die Rolle von Stan Laurel. Das machen beide auf eine derart perfekt Art und Weise, dass viele Szenen überhaupt nicht mehr vom Original zu unterscheiden sind. Die gesamte Mimik, die Dramaturgie, die Maske – alles passt so perfekt, dass dies jeden erdenklichen Filmpreis verdient hätte.

Zu dieser Verkörperung der Hauptrollen kommt auch noch die Geschichte selbst, die besser nicht hätte ausgewählt werden können. Es geht nicht etwa um die Biografien oder die Karriere des besten Komiker-Duos aller Zeiten, sondern um die letzte Phase, um den in der Öffentlichkeit nur bedingt wahrgenommenen Comeback Versuch Ende der 50er Jahre. Stan Laurel ist dabei, einen Vertrag mit einem großen Produzenten auszuhandeln – Laurel & Hardy sollen noch einmal ins Kino zurückkommen. Ein großer letzter Film soll den Abschluss der Karriere markieren. Bis die ersten Dreharbeiten beginnen, wollen die beiden erst Mal Anlauf nehmen – mit einer Bühnenshow quer durch England. Die Unterstützung für die beiden Komiker ist jedoch minimal. Der Produzent will nicht so richtig und schnell stellt sich heraus, dass dieser letzte Film nie Realität werden wird. Aber die beiden geben nicht auf. Eigenwerbung und Slapstick-Gags in der typischen Dick & Doof Manier, sprechen sich schnell herum und die Hallen füllen sich. In Irland wird den beiden bei Ihrer Ankunft geradezu gefeiert.

Hinter den Kulissen aber rumort es zwischen den beiden. Stan Laurel hat seinem Kollegen nie verziehen, dass er zwecks Vertragserfüllung vor Jahren sein Glück mit einem anderen Partner versucht hat. Aber Laurel wird, nach einem leichten Herzinfarkt von Hardy, bei einer der Bühnenshows, vor die gleiche Wahl gestellt und macht dieselbe Erfahrung, wie sein Partner: Laurel geht nicht ohne Hardy, Hardy nicht ohne Laurel.
Flankiert wird die Geschichte von den ehrgeizigen und mit sich und der Welt konkurrierenden Ehefrauen der beiden. Aber wenn es darauf ankommt, dann scheinen alle zusammen zu halten.

Ein wirklich toller Film, der uns hinter die Kulissen schauen lässt, ohne zu theatralisch zu wirken. Der Film ist plakativ, die Ehefrauen stereotype Abbilder und die Komik der beiden zeitlos – das waren die Intentionen dieses Film. Wie aus dieser Vorhersehbarkeit dennoch die vermutlich beste Hommage aller Zeiten entstehen kann, wird ein Rätsel bleiben – genau wie die fehlenden Oscarnominierungen für die beiden Hauptdarsteller.