Start Literatur Cthulhu – die Anfänge des Horror-Genre als Rollenspiel

Cthulhu – die Anfänge des Horror-Genre als Rollenspiel

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Vielleicht ist es ein unbewusstes Verlangen, der stetig fortschreitenden fehlenden sozialen Bindungen in einer digitalen Welt Einhalt zu gebieten. Vielleicht sind es auch nur die Fans der Serien „Big Bang Theory“ oder „Stranger Things“. Pen & Paper Fantasy-Rollenspiele erleben ein Revival. Und eines hebt sich ganz besonders ab … .

Den Namen HP Lovecraft hatte ich hier und da schon einmal gelesen. Ich muss allerdings gestehen, dass mir der Autor bisher gänzlich unbekannt geblieben war. Das hat sich bei meinen Recherchen zu „Pen & Paper“ Rollenspielen jetzt ganz plötzlich geändert.
Ich bin ein Kind der 80er Jahren und habe ab 1985 bis zum Erreichen der Oberstufe auf dem Gymnasium wie viele andere Jungs „Das Schwarze Auge“ gespielt. Das war damals und ist bis heute, das in Deutschland am häufigsten gespielte Fantasy-Rollenspiele. Bei meinen Recherchen, 30 Jahre nach diesem jugendlichen Hobby, bin ich neben diesem Klassiker und den ebenfalls bedeutenden Spielen „Dungeon & Dragons“ und „Shadowrun“ auf ein Spiel gestoßen, dessen Namen ich bisher wohl eher als Rechtschreibfehler abgetan hatte. „Cthulhu“ ist mittlerweile auch ein Klassiker und es hat ein so ganz anderes Setting, verglichen mit den bereits genannten.

Der Name „Cthulhu“ stammt aus dem Titel der Kurzgeschichte „Call Of Cthulhu“ von HP Lovecraft. „Cthulhu“ ist ein Fantasiewesen, das zu den sogenannten „Großen Alten“ gehört. Das sind Wesen, die vor vielen Zeitaltern unsere Welt bevölkert und nebenbei die Grundlagen unserer Kultur erschaffen haben. Jetzt schlummern sie tief im Meer, unter dem ewigen Eis, in der Erdkruste oder in Gebirgen und warten darauf, dass die Sterne eine bestimmte Konstellation erreichen, damit sie wieder zum Leben erweckt werden. Bis dahin suchen sie einige ausgesuchte Menschen in ihren Träumen auf und bringen Sie an den Rand des Wahnsinns.

Cthulhu Grundregelwerk
Cthulhu Grundregelwerk

Diese Kurzgeschichte, die relativ bescheiden ist, setzt man sie in den Kontext des Gesamtwerkes von Lovecraft, ist aus zwei Gründen bemerkenswert: alle Geschichten und Romane von Lovecraft werden durch das Aufsuchen und Erleben fantasievoller Welten vereint. Sei es im Meer, unterirdische Zivilisationen oder die von Träumen geplagten scheinbar ganz normalen Menschen am Rande des Wahnsinns. „Call Of Cthulhu“ ist die Geschichte, die für diese einen roten Faden auslegt und eine Erklärung für den Aufbau dieser Fantasiewelt liefert. Der zweite Grund ist die Tatsache, dass diese Erklärung von anderen Autoren ausgeliehen wurde. Gut ein Dutzend Autoren werden zu den „Verwaltern“ dieses Mythos gezählt (u.a. der deutsche Autor Wolfgang Hohlbein). Man darf sagen, dass Lovecraft mit diesem Mythos die Grundlage für moderne Horrorliteratur gelegt hat. Genau hier setzt das Fantasy-Rollenspiel „Cthulhu“ an.

Die unaussprechlichen Kreaturen
Die unaussprechlichen Kreaturen

Die Spieler – bei Cthulhu werden sie „Investigatoren“ genannt – spielen einen Charakter in den 20 Jahren des letzten Jahrhunderts. Sie übernehmen Berufe wie Taxifahrer, Privatdetektiv, Parapsychloge oder Schriftsteller. Vom Spielleiter werden sie mit der mythologischen Welt von Lovecraft konfrontiert. Das Regelsystem ist dabei recht einfach zu erlernen und ist sehr gut erweiterbar. Bemerkenswert sind die mythologischen Ergänzungen und die dafür zur Verfügung stehenden Quellbände. Das „Bestimmungsbuch der unaussprechlichen Kreaturen“ ist wie Fachbuch für „Exobiologen“ aufgebaut. Dort werden die „Alten Großen“ samt ihrer Helferwesen erfasst und illustriert – der Mythos bekommt Methodik, fast schon akademisch. Künstlerisch brillant ist das sowieso. Zusammen mit der Einzigartigkeit der Fantasiewelt ergeben sich für den Spielleiter ungeahnte Möglichkeiten. Das liegt an der Ursprünglichkeit dieser Fantasie. Lovecraft ist der Grandfather of Horror. Möchte ein Filmregisseur den Horror perfekt inszenieren, so braucht er nur die passenden Bilder zu den beschreibenden Worten zu finden. HR Giger soll einmal gesagt haben, dass er das Alien nach den Beschreibungen von Cthulhu entworfen hat. Zumindest hat er das fiktive „Necronomicon“ – das ist das Buch über die Magie der „Alten Großen“ – illustriert. Das war ganz sicher eine bestimmende Inspirationsquelle. Und für einen Stephen King ist das Werk von Lovecraft der Heilige Gral.

Das Rollenspiel wird in Deutschland in Lizenz vom Pegasus Verlag vertrieben. Das Grundregelwerk ist in einem wunderbar gestaltetem Hardcoverband für 19,95 EUR zu haben. Ein Kampfpreis. bei dem man nichts falsch machen kann. Es ist damit das günstigste hochwertige Fantasierollenspiel am Markt.