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Album der Woche – Archiv 2019

THE CRANBERRIES – In The End

TheCranberriesWürde Dolores O´Riordan noch leben, die Sängerin der CRANBERRIES, die letztes Jahr auf tragische Weise gestorben ist, dieses letzte Album der CRANBERRIES würde nicht halb so melancholisch klingen. So aber wirken diese Songs, die alle wie eine Rohfassung wirken, sehr schwermütig, aber dennoch wahnsinnig schön.

Entstanden ist das Album aus den ersten Aufnahmen zu einem neuen regulären Album, die aber wegen des Todes der Sängerin nicht ganz abgeschlossen wurden. Wer die tiefe Nachdenklichkeit mag, wird hier bestens bedient. Stellen Sie sich “The Cure” in Höchstform vor, Songs wie “A Forest” oder “Friday I´m in Love” gesungen mit der lieblichen Stimme dieser wunderbaren Sängerin. Das in etwa trifft die Stimmung dieses wunderbaren Albums.

Muss man wiederhören – auch wenn ein Riesenhit wie “Zombie” fehlt (die Band hat schon längst erkannt, dass es so einen Song nur einmal in einem Jahrzehnt geben kann) – “In The End” ist das Beste von den CRANBERRIES.

Wertung: 8.5 / 10


MORRISSEY – California Son

Morrissey - California SonDer ehemalige Sänger von “The Smiths” ist – so weit man den Medienberichten glauben darf – ein exzentrischer Einzelgänger. Das äussert sich nicht selten in seinen Songs, die sich sehr oft mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen und brachial herüberkommen. Die Queen ist ja schon seit Smith-Zeiten tot. Aber in diesem Album, ausschliesslich mit Cover-Versionen – u.a. mit Songs von Roy Orbison oder Green Day – zeigt Morrissey eine ganz andere Seite: er scheint Freude am Leben gefunden zu haben. So wirken die Songs. Bei manchen Songs würde man sich nicht wundern, wenn gleich der Dudelsack in die Fröhlichkeit mit einstimmt oder man mag sich den Sänger vorstellen, wie er eine Showtreppe herunterstolziert. Vielleicht nimmt Morrissey das Leben nicht mehr so ernst, seit er vor kurzem mehrere schwere Krebsoeprationen überstanden hat. Würde man ihn jetzt als sein eigene Parodie sehen, dann wird es ihm vielleicht gefallen. Seiner Musik tut es jedenfalls gut.

Wertung: 6.5/10


RAMMSTEIN – Rammstein

Rammstein

Es gibt Menschen, die mögen kalten Kaffee. Die laufen durch die Wohnung und sehen nachmittags die halbvolle, vom Frühstück übriggebliebene Kaffeetasse. Sie zögern keinen Moment und trinken den kalten Kaffee. Und er schmeckt ihnen.

So wird es dem eingefleischten RAMMSTEIN FAN mit dem neuen Werk seiner Götter ergehen. Alles mitnehmen, was geht. Und man kann sicher einiges Gutes aus dem vermutlich letzten, regulären Rammstein-Album heraushören.

Aber ganz ehrlich: das hat man alles schonmal gehört. Jetzt wird das rollende “R” noch ein bisschen in den Zeitgeist getunkt. Die Title “Deutschland” und “Ausländer” sind Rammsteintypisch und handwerklich in Ordnung – sie waren und sie sind ein grandioses deutsche Aushängeschild. Egal was sie tun, sie können ihren eigenen Mythos nicht demontieren. Das aber ist nur noch Reduktion. Selbst die Provokation verpufft. Schlicht reduziert. Untiteled Album. Von “Ein Mensch brennt” zum nackten Streichholz. Vom Wesentlichen zum Unwesentlichen.

Es duftet nach Kaffee. Kaffee ist Kaffee. Aber es ist kalter Kaffee.

Wertung: 3 / 10